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Ratgeber

Cannabis bei Epilepsie: Studienlage, CBD und aerztliche Verordnung

Von Redaktion Cannabis Deal 24 Aktualisiert: 7 Min. Lesezeit Experten
Cannabis bei Epilepsie: Studienlage, CBD und aerztliche Verordnung

Kurz & Knapp

Cannabidiol (CBD) ist als Fertigarzneimittel Epidyolex in Europa und Deutschland zur Behandlung therapieresistenter Epilepsien bei Dravet-Syndrom, Lennox-Gastaut-Syndrom und tuberoeser Sklerose zugelassen. Klinische Studien zeigen eine signifikante Reduktion der Anfallshaeufigkeit bei diesen Indikationen. THC-haltige Praeparate werden bei Epilepsie nur sehr zurueckhaltend eingesetzt und gelten als off-label. Keine medizinische Beratung.

Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung.

Die wichtigsten Fakten:

  • Zugelassenes Praeparat: Epidyolex (Cannabidiol-Loesung) seit 2019 in der EU
  • Indikationen: Dravet-Syndrom, Lennox-Gastaut-Syndrom, tuberoese Sklerose mit therapieresistenten Anfaellen
  • Studienlage: Mehrere Phase-III-RCTs zeigen 30 bis 50 Prozent Reduktion der Anfallshaeufigkeit
  • THC bei Epilepsie: Off-Label, nur in Ausnahmefaellen, da prokonvulsives Risiko in hohen Dosen moeglich
  • Wechselwirkungen: CBD beeinflusst Antiepileptika wie Clobazam besonders stark
  • Verordnung: Ueberwiegend durch neurologische und paediatrisch-neurologische Fachzentren

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Cannabis bei Epilepsie: Studienlage, CBD und aerztliche Verordnung

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Cannabis bei Epilepsie -- konkret reines Cannabidiol (CBD) -- ist in der EU bei einigen seltenen Epilepsie-Formen als Arzneimittel zugelassen. Epilepsie betrifft rund 0,5 bis 1 Prozent der Bevoelkerung in Deutschland; bei etwa einem Drittel sprechen die Anfaelle nicht ausreichend auf Standardmedikamente an. Dieser Beitrag fasst die Studienlage neutral zusammen.

Wichtig: Dieser Artikel dient ausschliesslich der Information und ersetzt keine aerztliche Beratung. Eine Cannabis-Therapie bei Epilepsie gehoert in die Hand erfahrener Neurologinnen und Neurologen. Die genannten Studien stellen keine medizinische Empfehlung dar.


Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, spontane Anfaelle gekennzeichnet ist. Diese Anfaelle entstehen durch synchronisierte elektrische Entladungen von Nervenzellen im Gehirn. Es gibt zahlreiche Epilepsie-Formen, von einfachen fokalen Anfaellen bis zu schweren generalisierten Verlaufsformen.

Standardtherapien sind Antiepileptika wie Valproat, Lamotrigin, Levetiracetam, Topiramat oder Clobazam. Sie wirken bei rund zwei Dritteln der Patientinnen und Patienten ausreichend. Wenn zwei oder mehr Antiepileptika nicht zur Anfallsfreiheit fuehren, gilt die Epilepsie als pharmakoresistent.

CBD und das Endocannabinoid-System bei Epilepsie


Studienlage: Was zeigen klinische Studien?

Die Studienlage zu Cannabidiol bei Epilepsie ist im Vergleich zu anderen Indikationen vergleichsweise robust und auf eindeutige Patientengruppen fokussiert.

Dravet-Syndrom

Das Dravet-Syndrom ist eine schwere, oft pharmakoresistente Epilepsie-Form, die meist im ersten Lebensjahr beginnt. Mehrere Phase-III-RCTs zeigten eine signifikante Reduktion der konvulsiven Anfaelle unter CBD-Zusatztherapie. Auf Grundlage dieser Daten wurde Cannabidiol unter dem Handelsnamen Epidyolex 2019 in der EU zugelassen.

Lennox-Gastaut-Syndrom

Auch beim Lennox-Gastaut-Syndrom -- einer schweren kindlichen Epilepsie mit verschiedenen Anfallstypen -- zeigte CBD in Phase-III-Studien eine deutliche Reduktion der Drop-Anfaelle gegenueber Placebo.

Tuberoese Sklerose

Bei tuberoeser Sklerose mit therapieresistenten Anfaellen wurde Epidyolex 2021 ebenfalls als Zusatztherapie in der EU zugelassen.

Allgemeine epileptiforme Aktivitaet

Praeklinische Studien zeigen, dass CBD ueber eine Modulation von Calcium-Kanaelen, des GPR55-Rezeptors und entzuendlicher Signalwege antikonvulsiv wirken kann. CBD wirkt nicht ueber den klassischen CB1-Rezeptor und ist deshalb nicht psychoaktiv.

Die Wirkung ist individuell unterschiedlich. Nicht alle Patientinnen und Patienten profitieren gleichermassen. Eine Therapieumstellung gehoert in die Hand erfahrener Fachaerztinnen und Fachaerzte.


Welche Praeparate kommen bei Epilepsie zum Einsatz?

Praeparat Wirkstoff Zulassungsstatus Indikation
Epidyolex Cannabidiol-Loesung 100 mg/ml EU-Zulassung 2019/2021 Dravet, Lennox-Gastaut, tuberoese Sklerose
CBD-Apotheken-Rezeptur Cannabidiol pharmazeutisch Rezepturarzneimittel Off-Label bei anderen Epilepsie-Formen
Vollspektrum-CBD-Extrakte CBD plus Begleitcannabinoide Apothekenpflichtig Adjuvant, individuelle Indikation
Cannabis-Blueten / THC-Extrakte THC, CBD und weitere Verkehrsfaehig nach KCanG Off-Label, sehr zurueckhaltend bei Epilepsie

THC-haltige Praeparate werden bei Epilepsie nur sehr zurueckhaltend eingesetzt, da hohe THC-Dosen in Tiermodellen prokonvulsiv wirken koennen. CBD hingegen zeigt antikonvulsive Effekte, die der Zulassung von Epidyolex zugrunde liegen.

Praeparat-Uebersicht und Anwendungsbereiche


Wechselwirkungen: Worauf bei Antiepileptika zu achten ist

CBD interagiert ueber CYP-Enzyme der Leber mit zahlreichen Antiepileptika. Besonders relevant sind:

  • Clobazam: CBD erhoeht die Plasmakonzentration des aktiven Metaboliten N-Desmethylclobazam. Dosisanpassungen sind oft notwendig [Hossain et al., 2024].
  • Valproat: Kombination kann die Leberenzyme beeinflussen, regelmaessige Kontrolle empfohlen.
  • Warfarin und andere Antikoagulanzien: CBD beeinflusst CYP2C9, Dosisanpassung kann notwendig sein [Nasrin et al., 2021].

Eine systematische Review identifizierte Antiepileptika als die Medikamentenklasse mit der staerksten Evidenz fuer Cannabis-Wechselwirkungen [Ho et al., 2024]. Eine engmaschige aerztliche Begleitung ist deshalb Voraussetzung.


Wie wird CBD bei Epilepsie verordnet?

Die Behandlung mit Epidyolex erfolgt in Deutschland ganz ueberwiegend ueber neurologische und paediatrisch-neurologische Fachzentren. Der typische Ablauf:

  1. Diagnostik und Klassifikation: Genaue Bestimmung der Epilepsie-Form ist Voraussetzung.
  2. Vortherapien dokumentieren: Welche Antiepileptika wurden eingesetzt, mit welchem Erfolg?
  3. Indikationsstellung: Erfolgt durch Neurologin oder Neurologe, idealerweise in einem Epilepsie-Zentrum.
  4. Verordnung: Epidyolex als Privat- oder GKV-Rezept (mit Genehmigung).
  5. Engmaschige Verlaufskontrolle: Anfallsfrequenz, Leberwerte und Plasmaspiegel der Begleitmedikation werden ueberwacht.

Aerztliche Beratung & Rezept Bei Epilepsie ist die Cannabis-Therapie eng an spezialisierte Versorgung gebunden. Eine erste Online-Beratung fuer medizinisches Cannabis bei Docto24{rel="nofollow sponsored"} kann eine Orientierung bieten -- die spezifische Behandlung bei Epilepsie gehoert allerdings in die Haende einer Neurologin oder eines Neurologen, idealerweise in einem Epilepsie-Zentrum. Affiliate-Link. Fuer Sie entstehen keine Mehrkosten.


Kostenuebernahme durch die Krankenkasse

Epidyolex hat eine EU-Zulassung fuer definierte Indikationen. Bei Vorliegen dieser Indikationen ist eine GKV-Erstattung in der Regel moeglich -- der Antrag erfolgt ueber die behandelnde Aerztin oder den behandelnden Arzt.

Bei anderen Epilepsie-Formen kommt nur eine Off-Label-Verordnung als Rezeptur in Betracht. Die GKV-Erstattung nach SGB V Paragraph 31 Absatz 6 setzt eine schwerwiegende Erkrankung, ausgeschoepfte Standardtherapien und Aussicht auf Wirksamkeit voraus. Die Genehmigungsquote ist bei klar dokumentierter Pharmakoresistenz tendenziell hoeher.

Selbstzahlerinnen und Selbstzahler koennen ueber Plattformen wie Docto24{rel="nofollow sponsored"} den Erstkontakt suchen, fuer eine spezialisierte Epilepsie-Versorgung ist jedoch in der Regel ein zusaetzliches Fachzentrum notwendig.


Nebenwirkungen und Risiken

Bekannte Nebenwirkungen von CBD-Praeparaten bei Epilepsie umfassen:

  • Muedigkeit, Schlaefrigkeit
  • Appetitminderung, Gewichtsabnahme
  • Durchfall
  • Erhoehung der Leberwerte (Transaminasen) -- regelmaessige Laborkontrollen sind Pflicht
  • Verstaerkte Sedierung in Kombination mit Clobazam

THC-haltige Praeparate koennen in hohen Dosen prokonvulsiv wirken und werden bei Epilepsie deshalb nur in Ausnahmefaellen verordnet.


Häufig gestellte Fragen

Ist CBD bei Epilepsie zugelassen?

Ja. Cannabidiol ist als Fertigarzneimittel Epidyolex in der EU seit 2019 fuer Dravet- und Lennox-Gastaut-Syndrom und seit 2021 fuer tuberoese Sklerose zugelassen. Bei anderen Epilepsie-Formen ist nur eine Off-Label-Verordnung als Apotheken-Rezeptur moeglich.

Wie schnell wirkt CBD bei Epilepsie?

Die Wirkung baut sich ueber Wochen auf. In den klinischen Zulassungsstudien wurde der Behandlungseffekt nach 4 bis 14 Wochen Aufdosierung beurteilt. Eine ploetzliche Anfallsfreiheit ist die Ausnahme, eine schrittweise Reduktion der Anfallsfrequenz die Regel.

Hilft CBD bei jeder Epilepsie?

Nein. Die robuste Evidenz beschraenkt sich auf einige seltene und schwere Epilepsie-Formen (Dravet, Lennox-Gastaut, tuberoese Sklerose). Bei haeufigen fokalen Epilepsien fehlt die robuste Studiendaten-Lage; eine Off-Label-Anwendung ist moeglich, aber nicht standardisiert.

Kann ich CBD-Oel aus dem Internet bei Epilepsie nehmen?

Nicht-zugelassene CBD-Produkte (z.B. Wellness-Oele) sind nicht standardisiert und nicht fuer den medizinischen Einsatz vorgesehen. Sie ersetzen keine aerztlich verordnete Therapie und koennen wegen schwankender Wirkstoffgehalte und potenzieller Verunreinigungen riskant sein. Die Behandlung gehoert in die Haende einer erfahrenen Neurologin oder eines erfahrenen Neurologen.

Kann CBD Antiepileptika ersetzen?

In der Regel nicht. CBD wird bei Epilepsie als Zusatztherapie eingesetzt. Standard-Antiepileptika werden weiter eingenommen, wobei die Dosen wegen moeglicher Wechselwirkungen angepasst werden muessen.

Wie lange muss ich CBD bei Epilepsie nehmen?

Die Dauer haengt vom Ansprechen ab. Bei den zugelassenen Indikationen (Dravet, Lennox-Gastaut, tuberoese Sklerose) wird Epidyolex meist langfristig eingenommen, solange ein klinischer Nutzen besteht. Eine Beendigung erfolgt schrittweise und ausschliesslich aerztlich begleitet.


Weiterlesen


Quellen

  1. Nasrin, S. et al. (2021). Cannabinoid-drug interactions: Evaluation of CYP P450 inhibition. AAPS Journal. PubMed
  2. Ho, K. et al. (2024). Cannabis drug interactions: A systematic review. Clinical and Translational Science. PMC
  3. Hossain, K. R. et al. (2024). Pharmacokinetic interactions of THC and CBD with CYP450 enzymes. Frontiers in Pharmacology. Frontiers
  4. Balachandran, P. et al. (2021). Cannabidiol interactions with medications, illicit substances, and alcohol. Journal of Cannabis Research. PMC
  5. Nachnani, R. et al. (2021). The pharmacological case for cannabigerol. Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics. PubMed
  6. EMA (Europaeische Arzneimittelagentur): Epidyolex Fachinformation, Stand 2024
  7. KCanG (Konsumcannabisgesetz): BGBl. 2024 I Nr. 109

Wichtig: Dieser Artikel dient ausschliesslich der Information und ersetzt keine aerztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Aerztin, einen Arzt oder eine Apothekerin. Die beschriebenen Wirkungen koennen individuell variieren. Die genannten Studien stellen keine medizinische Beratung dar.

Letzte Aktualisierung: 2026-05-05

RC
Redaktion Cannabis Deal 24

Autor bei Cannabis News 24. Alle Inhalte werden redaktionell geprüft und basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

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