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Ratgeber

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Terpene in Cannabis: Wirkung, Arten und der Entourage-Effekt

Von Redaktion Cannabis Deal 24 Aktualisiert: 8 Min. Lesezeit Fortgeschritten
Terpene in Cannabis: Wirkung, Arten und der Entourage-Effekt

Kurz & Knapp

Wenn du an Cannabis denkst, denkst du vermutlich an THC und CBD. Doch die Pflanze enthält noch eine weitere Gruppe von Wirkstoffen, die maßgeblich zum Gesamterlebnis beitragen: Terpene.

Auf einen Blick:

Fakt Detail
Was sind Terpene? Aromastoffe in Pflanzen (inkl. Cannabis)
Anzahl in Cannabis Über 200 verschiedene Terpene identifiziert
Häufigste Terpene Myrcen, Limonen, Linalool, Caryophyllen, Pinen
Funktion Aroma, Geschmack, Modulation der Cannabinoid-Wirkung
Entourage-Effekt Synergie zwischen Cannabinoiden und Terpenen

Wenn du an Cannabis denkst, denkst du vermutlich an THC und CBD. Doch die Pflanze enthält noch eine weitere Gruppe von Wirkstoffen, die maßgeblich zum Gesamterlebnis beitragen: Terpene. Diese Aromastoffe bestimmen nicht nur den Geruch und Geschmack, sondern können die Wirkung von Cannabis erheblich beeinflussen. Wie die Terpene Cannabis Wirkung modulieren und was hinter dem Entourage-Effekt steckt, erklärt dieser Ratgeber.


Was sind Terpene?

Terpene sind eine grosse Gruppe organischer Verbindungen, die in vielen Pflanzen vorkommen -- nicht nur in Cannabis. Sie sind für den charakteristischen Geruch verantwortlich: Lavendel riecht nach Linalool, Zitronen nach Limonen, Kiefern nach Pinen.

In der Cannabis-Pflanze werden Terpene in den Trichomen produziert -- denselben Harzdrüsen, die auch Cannabinoide bilden. Über 200 verschiedene Terpene wurden in Cannabis identifiziert. In jeder Sorte ein spezifisches Profil mit etwa 10-20 dominanten Terpenen vorliegt.

Biologische Funktion in der Pflanze

Terpene dienen der Cannabis-Pflanze als natürlicher Schutz:

  • Abwehr von Schädlingen und Fressfeinden
  • Anlockung von Bestäubern
  • Schutz vor UV-Strahlung und Hitze
  • Antimikrobielle Wirkung gegen Pilze und Bakterien

Die 7 wichtigsten Cannabis-Terpene und ihre Wirkung

1. Myrcen

Eigenschaft Detail
Aroma Erdig, moschusartig, krauterig
Auch in Mango, Hopfen, Thymian, Zitronengras
Anteil in Cannabis Oft das dominante Terpen (bis zu 50% des Terpenprofils)
Mögliche Effekte Entspannend, sedierend, muskelrelaxierend

Myrcen ist das häufigste Terpen in Cannabis. Es wird traditionell mit der körperlich entspannenden Wirkung von Indica-Sorten in Verbindung gebracht. In-vivo-Studien zeigten anti-inflammatorische und analgetische Eigenschaften Jansen et al., 2019.

2. Limonen

Eigenschaft Detail
Aroma Zitrusfruchtig, frisch, süß
Auch in Zitrusfrüchte, Wacholder, Pfefferminze
Mögliche Effekte Stimmungsaufhellend, stresslindernd, antibakteriell

Limonen kommt häufig in Sativa-dominanten Sorten vor und wird mit einer anregenden, heiteren Wirkung assoziiert. Es verbessert vielleicht die Absorption anderer Terpene und Cannabinoide durch die Schleimhäute.

3. Linalool

Eigenschaft Detail
Aroma Blumig, lavendelartig, süßlich
Auch in Lavendel, Koriander, Zimt
Mögliche Effekte Beruhigend, angstlösend, schlaffördernd

Linalool ist auch der Hauptbestandteil von Lavendelöl, das seit Jahrhunderten für seine beruhigende Wirkung bekannt ist. Eine Review stufte Pinen und Linalool als potenzielle Therapeutika für die Gehirngesundheit ein Kamal et al., 2022.

4. Beta-Caryophyllen

Eigenschaft Detail
Aroma Pfeffrig, würzig, holzig
Auch in Schwarzer Pfeffer, Nelken, Oregano, Zimt
Mögliche Effekte Entzündungshemmend, schmerzlindernd

Beta-Caryophyllen ist einzigartig unter den Terpenen: Es ist das einzige bekannte Terpen, das direkt an CB2-Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems bindet Scandiffio et al., 2020. Damit besitzt es quasi cannabinoid-ähnliche Eigenschaften. Es wird manchmal als "diätor-Cannabinoid" bezeichnet. Es auch über die Nahrung (schwarzer Pfeffer) aufgenommen wird.

5. Alpha-Pinen

Eigenschaft Detail
Aroma Frisch, kiefernartig, harzig
Auch in Kiefernnadeln, Rosmarin, Basilikum
Mögliche Effekte Fokussierend, bronchienöffnend, entzündungshemmend

Pinen ist das weltweit am häufigsten vorkommende Terpen. In der Cannabis-Forschung gibt es Hinweise darauf, dass es einigen gedächtnisbeeinträchtigenden Effekten von THC entgegenwirken könnte Russo, 2011.

6. Humulen

Eigenschaft Detail
Aroma Erdig, holzig, leicht bitter
Auch in Hopfen, Koriander, Basilikum
Mögliche Effekte Appetithemmend, entzündungshemmend

Humulen kommt auch in Hopfen vor (Cannabis und Hopfen gehören zur selben Pflanzenfamilie). Interessant: Während THC den Appetit steigert, könnte Humulen diesem Effekt entgegenwirken.

7. Terpinolen

Eigenschaft Detail
Aroma Fruchtig, blumig, leicht krauterig
Auch in Teebaum, Flieder, Äpfel
Mögliche Effekte Leicht beruhigend, antioxidativ

Terpinolen ist weniger häufig als die anderen Hauptterpene. Findet sich primär in Sativa-dominanten Sorten wie Jack Herer oder Dutch Treat.

[Bild: Terpenprofil-Rad mit Aromen, Vorkommen und zugeschriebenen Effekten]


Der Entourage-Effekt: Wenn alles zusammenwirkt

Der Entourage-Effekt ist das Konzept, dass Cannabinoide und Terpene in Kombination stärker oder anders wirken als isoliert. Die Grundlagenarbeit dazu stammt von Dr. Ethan Russo, der 2011 die Phytocannabinoid-Terpenoid-Synergien beschrieb Russo, 2011.

Beispiele für Synergien

Kombination Mögliche Synergie
THC + Myrcen Verstärkte sedierende Wirkung
THC + Pinen Pinen könnte THC-bedingte Gedächtnisstörungen abschwächen
CBD + Linalool Verstärkte anxiolytische (angstlösende) Wirkung
THC + Caryophyllen Verstärkte Schmerzlinderung über CB1 + CB2
CBD + Limonen Möglicherweise stimmungsaufhellend

Wissenschaftlicher Stand

Die Entourage-Effekt-Theorie ist vielversprechend, aber noch nicht abschließend bewiesen. Eine aktuelle Review fasste zusammen, dass Terpen-Beiträge zum therapeutischen Effekt vielleicht signifikant sind. Klinisch noch nicht vollständig verifiziert wurden Rivas-Santisteban et al., 2024.

Dennoch bevorzugen viele Anwender Vollspektrum-Produkte gegenüber Isolaten -- das heißt, Produkte, die das gesamte Spektrum an Cannabinoiden. Terpenen enthalten, statt nur ein isoliertes CBD oder THC.


Terpene und Temperatur: Warum Vaporisieren zählt

Verschiedene Terpene verdampfen bei unterschiedlichen Temperaturen. Wer seine Terpene erhalten möchte, sollte die Temperatur beim Vaporisieren gezielt wählen:

Terpen Siedepunkt Empfehlung
Pinen 155 Grad C Niedrige Temperatur für Frische
Myrcen 168 Grad C Niedrig bis mittel
Limonen 176 Grad C Mittlere Temperatur
Linalool 198 Grad C Mittlere Temperatur
Caryophyllen 160 Grad C Niedrig bis mittel
Humulen 198 Grad C Mittlere Temperatur

Beim Rauchen (Verbrennung ab ca. 230 Grad C) werden viele empfindliche Terpene zerstört. Vaporisieren ermöglicht eine gezieltere Freisetzung und eine deutlich bessere Geschmacksentfaltung.

Vollspektrum CBD-Produkte mit natürlichem Terpenprofil findest du z.B. bei Cannabuben.


Terpene in der Praxis: Worauf achten?

Beim Produktkauf

  • Vollspektrum vs. Isolat: Vollspektrum-Produkte enthalten Terpene, Isolate nicht
  • Terpenanalyse: Hochwertige Hersteller geben das Terpenprofil auf dem Laborzertifikat an
  • Natürliche vs. zugesetzte Terpene: Manche Hersteller fügen synthetische Terpene hinzu -- natürliche Terpenprofile sind vorzuziehen

Bei der Sortenwahl

Das Terpenprofil sagt mehr über die erwartete Wirkung aus als die Indica/Sativa-Klassifizierung:

  • Myrcen-dominant: Eher entspannend
  • Limonen-dominant: Eher anregend
  • Linalool-dominant: Eher beruhigend
  • Caryophyllen-dominant: Eher entzündungshemmend

Fazit

Terpene sind weit mehr als nur Aromastoffe -- sie sind aktive Bestandteile der Cannabis-Pflanze, die die Wirkung von Cannabinoiden modulieren können. Der Entourage-Effekt beschreibt diese Synergie und erklärt, warum Vollspektrum-Produkte von vielen Anwendern bevorzugt werden. Die Forschung zu Terpenen steht noch am Anfang, aber die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend. Wer Cannabis bewusst nutzen möchte, sollte neben THC und CBD auch das Terpenprofil beachten.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.


Häufig gestellte Fragen

Was sind Terpene in Cannabis?

Terpene sind aromatische Verbindungen in der Cannabis-Pflanze, die Geruch und Geschmack bestimmen. Sie werden in den Trichomen produziert -- denselben Harzdrüsen, die auch THC und CBD bilden. Über 200 verschiedene Terpene wurden in Cannabis identifiziert.

Machen Terpene berauscht?

Nein, Terpene allein erzeugen keine berauschende Wirkung. Sie können jedoch die Wirkung von THC und CBD modulieren -- z.B. verstärken oder abschwächen. Beta-Caryophyllen bindet zwar an CB2-Rezeptoren, erzeugt aber keine psychoaktive Wirkung.

Was ist der Entourage-Effekt einfach erklärt?

Der Entourage-Effekt beschreibt die Idee, dass die verschiedenen Bestandteile der Cannabis-Pflanze (Cannabinoide, Terpene, Flavonoide) zusammen stärker. Anders wirken als einzeln. Deshalb bevorzugen viele Anwender Vollspektrum-Produkte statt isolierter Einzelstoffe.

Welches Terpen ist am besten für Entspannung?

Myrcen und Linalool werden am stärksten mit entspannenden und beruhigenden Eigenschaften in Verbindung gebracht. Myrcen-reiche Cannabis-Sorten und Linalool-haltige Produkte (auch Lavendelöl) werden traditionell für Entspannung eingesetzt.


Quellen

  1. Russo, E. B. (2011). Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects. Br J Pharmacol, 163(7). Wiley
  2. Scandiffio, R. et al. (2020). Beta-Caryophyllene: CB2 Receptor Selectivity. Front Pharmacol. PMC
  3. Kamal, B. S. et al. (2022). Cannabis Terpenes for Brain Health. Front Psychiatry. Frontiers
  4. Jansen, C. et al. (2019). Myrcen: Anti-inflammatory and Analgesic Properties. Fitoterapia. PubMed
  5. Rivas-Santisteban, R. et al. (2024). Entourage Effect Review. Pharmaceuticals. PMC

RC
Redaktion Cannabis Deal 24

Autor bei Cannabis News 24. Alle Inhalte werden redaktionell geprüft und basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

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